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Mainzigartig
In Mainz fallen mir bis jetzt zwei Personengruppen besonders auf. Das sind Bäcker und Busfahrer.
Die Ersten – Mainzer Bäcker also – nehmen kein Trinkgeld an. Zumindest die, bei denen ich etwas gekauft habe. So versuche ich jedes Mal erfolglos, mich mit einem kleinen Geldbetrag zu bedanken und runde zum Beispiel 1,25€ auf 1,50€. Ich sage dann (meistens sogar freundlich): “Machen Sie eins fünfzig d’raus!”. Dann starren mich die Bäckerverkäuferinnen mit einem total bekloppten Gesicht an. Und zwar alle! Besonders die Azubine vom Bäcker nebenan. Die Arme scheitert schon beim armseligen Versuch, die Kasse zu öffnen und das Geld im Kopf zusammenzurechnen. Dann komme ich mit meinen 1,50! Unverschämt! Okay, next try: “Geben Sie mir doch einfach einen Euro zurück. Der Rest ist für Sie!”. Wieder ein Fehler von mir, denn die Azubi muss nochmal rechnen. Hätte Sie jetzt ein Windows-Betriebsystem auf ihrem Gehirn installiert gehabt, so hätte sie schon längst nach einem blauen Bildschirm neustarten müssen.
Die zweite Gruppe bilden Mainzer Busfahrer. Beim Fahren mit der MVG (die haben den Namen bestimmt von den Münchnern geklaut!) merkt man schnell, dass man in Mainz keinen fließenden Übergang zwischen Beschleunigen und Bremsen kennt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Busfahrer keine Pedale, sondern Knöpfe benutzen, die sie zu häufig mit einander verwechseln. Klick. Vollgas! Klick. Notbremse! Oh, Scheisse, falscher Knopf! Und wenn der Busfahrer gerade mal keine Knöpfe drückt, dann ist er entweder eingeschlafen oder ist pinkeln gegangen: Jede freie Minute wird in einen gesunden Schlaf investiert. Wenn der Fahrer also auf einer Haltestelle seine Pause geniest, streckt er seine Füße aus und legt sie gemütlich auf die Kasse. Sowas habe ich in keiner anderen Stadt gesehen. Als Toilette wird häufig eine Baustelle nebenan verwendet. Durch vorbeigehende Passanten fühlt sich der Busfahrer kein bisschen gestört. Irgendjemand muss ja die Erde düngen…

Das ist er! Der Bus ohne Pedale!
Müll im Briefkasten

Wenn das Gott sieht...
Meine gemütliche Einzelzimmerwohnung befindet sich in einem sehr ruhigen Viertel der wunderschönen Stadt Mainz. Es scheint so, als könnte nichts auf dieser Welt diese harmonische Atmosphäre und die friedliche Ruhe zerstören. Aber irgenwie finden sich immer Leute, die es versuchen. Zum Beispiel die Republikaner.
Diese Partei verteilt unbestellt ihre Flugblätter in allen Häusern der Umgebung und ignoriert völlig die kleinen Schilder mit der Aufschrift “Bitte keine Werbung!”. Anfangs habe ich die hässlichen Flyer weggeworfen. Zu sehr erinnern sie mich an den Geschichtsunterricht in der Schule. Gestern habe ich etwas gezögert als ich ein unpersönliches Schreiben von REP erhielt. Neben den typischen rechtskonservativen Parolen findet man im Text einige stellen, wo sich die Jungs über den Islam aufregen und vor allem die neulich in Mainz Hartenberg-Münchfeld errichtete muslimische Schule. Das Wort “Ausländer” verwenden sie im Text als Synonym für “Muslim” und umgekehrt.

Ich interessiere mich weder für Islam noch für irgendwelchen rechtskonservativen Bullshit. Was mich allerdings richtig aufregt, sind Leute, die ihre Zeit verschlafen haben und dann versuchen, anderen ihre zweifelhaften Regeln aufzuzwingen. Das Witzige ist, dass die Partei in 2007 genau 1.394.576,23€ vom Staat kassierte. Wozu eigentlich? Damit ihr Werbematerial im Müll landet?!
Bäh.