Archiv für die Kategorie ‘Meine Welt’
40 Zigarettenschachtel aus der Sowjetunion
Als kleiner Junge sammelte ich jahrelang leere Zigarettenschachtel. Heute klingt es etwas seltsam, doch damals war es ein übliches Hobby der Jungs. Und da die meisten Raucher in der Verwandtschaft ihrer Marke treu blieben, war es extrem schwierig an seltene Exemplare zu kommen. Manchmal gelang es mir, das eine oder andere Sammlerstück auf der Straße zu finden. Den Rest ergatterte man durch irgendwelche Tauschgeschäfte.
Besonders beliebt waren bei uns alte sowjetische Marken, deren Corporate Design meist noch grausamer war als der Geschmack. Schließlich gab es ja noch keine Standards, die Qualität sichern könnten. Der Tabak der filterlosen Zigaretten war in der Regel feucht und schmeckte laut Zeugenaussagen nach Kuhmist =D
Ich habe für euch eine exklusive Sammlung alter Zigarettenmarken vorbereitet:

Interessant, dass sich die meisten Marken an etablierte Stärken der Weltmacht oder eine bestimmte Zielgruppe richteten. Es gab Bezeichnungen, die speziell die technischen Errungenschaften (Flugzeuge, Schiffe, Raketen, Satelliten, Eisenbahn) betrafen. Auf der anderen Seite fand man Marken, die bestimmte Gesellschaftsgruppen ansprachen: Es gab Zigaretten für Jäger, Flieger, Manager oder auch zweckbetonte Namen wie “Besuch”, “Souvenir” und so weiter.
Spielekiller

Das Thema Killerspiele ist ein erfundenes Problem. Fakt ist, Computerspiele sind eine neuartige Erscheinung, deren Entwicklung in den letzten zehn Jahren ihren Höhepunkt erreicht hat. Da kann man doch nicht im Ernst davon ausgehen, dass alte, vertrocknete Politiker in der Lage sind, über diesen Trend zu entscheiden?
Es wird gerade heiß diskutiert, ob man die so genannten Killerspiele komplett verbieten soll. Solche Debatten starten erst dann, wenn auf dem Rechner eines Amokläufers Counter Strike oder Ähnliches gefunden wird. Zeigt mir bitte wenigstens einen Jugendlichen, der niemals in Berührung mit Spielen dieser Art trat? Höchstens der Ministrant aus dem Nachbarshaus.
Warum bemühen sich einige Politiker, eine milliardenschwere Industrie zu verbieten, wenn ein Vollidiot durch die Schule rast und Menschen tötet? Warum verbieten sie dann nicht gleich das Autofahren, weil jährlich über zwei Millionen Unfälle passieren?
Die Politik bewegt sich zur Zeit in eine Sackgasse. Denn junge Leute sind heute im Hinblick auf den Umgang mit Technik kaum zu übertrumpfen. Die meisten Schüler wissen exakt, wie man illegal an verbotene Software kommt. Deshalb sollte man sie aufklären, wie man damit umgeht anstatt lange Gespräche zu führen, wie man den nächsten Verbot umsetzt.
Marketing für Anfänger

Warum schreiben die BWL-Fuzzies nicht einfach “Unterschied” hin?! Stattdessen greifen sie zum Begriff “Diskripanz”, sprechen lieber von Divergenzen oder noch schlimmer: von positiver bzw. negativer Diskonfirmation! Im darauf folgenden Satz geht es um die Vielzahl von Merkmalen. Versteht ihr? Um die Vielzahl von Merkmalen. Und was schreiben sie hin? “Multiattributive Analyse”, Baby! Ich könnte kotzen von dieser Marketingblah! Paradigma statt Muster, Silent-Shopper statt Testkäufer, externer Faktor statt Kunde, Item statt Auswahlmöglichkeit!
Aus meiner Sicht ist diese Sprache nicht nur aufgrund der Denglischinvasion schwer zu verstehen, sondern viel mehr durch die Tatsache, dass viele selbsternannte Manager oder andere Vertreter des Office-Planktons ihren Ideenmangel mit Hilfe einer hochgestochenen Wortwahl zu kompensieren versuchen.
Für mich besonders störend ist die Gegebenheit, dass man selbst gezwungen ist, in einer ähnlichen Art zu antworten, beispielsweise: Auch wenn der Penalty-Reward-Faktoren-Ansatz sich dem multiattributiven Verfahren ähnelt, erkennt man grundlegende Kontroversen, die innerhalb einzelner Qualitätsmanagement-Dimensionen auftreten, wodurch ein golables Qualitätsurteil gegebener Fakten mit Hilfe des Konfirmation-Diskonfirmation-Paradigmas nicht erschließen lässt.
Komisch, aber das passiert ausnahmslos nur in Schriftform, bei realen Begegnungen reden diese hochnäsigen Arschlöcher dann wie die letzten Landeier!
Geklaut!
Die meisten meiner Freunde werden sicherlich wissen, dass ich mich seit vielen Jahren für 2D-Design interessiere. Stundenlang saß ich vor dem PC und testete Photoshop auf Herz und Nieren. Ich bastelte an Kollagen, Webseiten und vor allem Flyer. So entwickelte sich aus einem scheinbar unspektakulären Hobby eine große Leidenschaft, die mich bis heute nicht verlassen hat.
Ein besonders wichtiger Bestandteil jeder Suche nach Insperation bleibt für mich die Musik. Früher ließ ich gerne Mitschnitte von Live-Mixes einiger bekannten Qlimax-DJs nebenbei laufen. Harte elektronische Tanzmusik dröhnte mit geballter Kraft aus den Lautsprechern. Direkt aus Holland flossen zur mir neueste Tunes des damals in Deutschland noch unbekannten Hardstyle, der später leider zu einer Modeerscheinung wurde und damit absolut langweilig für mich.
Dieser Musikrichtung (heute sagt man eher Movement) widmete ich eines Tages ziemlich spontan so ein Bildchen:

In wenigen Minuten packte ich Hammer und Sichel auf eine Garagenwandtextur und fügte noch etwas Text in Aliens-Schrift hinzu. Zack! Online stellen. Fertig.
Damals konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie schnell sich das Bild im Internet verbreiten wird:

Das süße Bildlein erscheint gleich auf der ersten Seite der Google-Suche.
Und dann kommen noch irgendwelche Künstler (wie DJ Nightkiller?) auf die Idee, sie können mit meinem Bild für ihre Kreationen werben:

Ich freue mich, dass mein Bild so oft verwertet werden konnte. Meine Weltherrschaftspläne gehen langsam auf… =)
Mainzigartig
In Mainz fallen mir bis jetzt zwei Personengruppen besonders auf. Das sind Bäcker und Busfahrer.
Die Ersten – Mainzer Bäcker also – nehmen kein Trinkgeld an. Zumindest die, bei denen ich etwas gekauft habe. So versuche ich jedes Mal erfolglos, mich mit einem kleinen Geldbetrag zu bedanken und runde zum Beispiel 1,25€ auf 1,50€. Ich sage dann (meistens sogar freundlich): “Machen Sie eins fünfzig d’raus!”. Dann starren mich die Bäckerverkäuferinnen mit einem total bekloppten Gesicht an. Und zwar alle! Besonders die Azubine vom Bäcker nebenan. Die Arme scheitert schon beim armseligen Versuch, die Kasse zu öffnen und das Geld im Kopf zusammenzurechnen. Dann komme ich mit meinen 1,50! Unverschämt! Okay, next try: “Geben Sie mir doch einfach einen Euro zurück. Der Rest ist für Sie!”. Wieder ein Fehler von mir, denn die Azubi muss nochmal rechnen. Hätte Sie jetzt ein Windows-Betriebsystem auf ihrem Gehirn installiert gehabt, so hätte sie schon längst nach einem blauen Bildschirm neustarten müssen.
Die zweite Gruppe bilden Mainzer Busfahrer. Beim Fahren mit der MVG (die haben den Namen bestimmt von den Münchnern geklaut!) merkt man schnell, dass man in Mainz keinen fließenden Übergang zwischen Beschleunigen und Bremsen kennt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Busfahrer keine Pedale, sondern Knöpfe benutzen, die sie zu häufig mit einander verwechseln. Klick. Vollgas! Klick. Notbremse! Oh, Scheisse, falscher Knopf! Und wenn der Busfahrer gerade mal keine Knöpfe drückt, dann ist er entweder eingeschlafen oder ist pinkeln gegangen: Jede freie Minute wird in einen gesunden Schlaf investiert. Wenn der Fahrer also auf einer Haltestelle seine Pause geniest, streckt er seine Füße aus und legt sie gemütlich auf die Kasse. Sowas habe ich in keiner anderen Stadt gesehen. Als Toilette wird häufig eine Baustelle nebenan verwendet. Durch vorbeigehende Passanten fühlt sich der Busfahrer kein bisschen gestört. Irgendjemand muss ja die Erde düngen…

Das ist er! Der Bus ohne Pedale!
Müll im Briefkasten

Wenn das Gott sieht...
Meine gemütliche Einzelzimmerwohnung befindet sich in einem sehr ruhigen Viertel der wunderschönen Stadt Mainz. Es scheint so, als könnte nichts auf dieser Welt diese harmonische Atmosphäre und die friedliche Ruhe zerstören. Aber irgenwie finden sich immer Leute, die es versuchen. Zum Beispiel die Republikaner.
Diese Partei verteilt unbestellt ihre Flugblätter in allen Häusern der Umgebung und ignoriert völlig die kleinen Schilder mit der Aufschrift “Bitte keine Werbung!”. Anfangs habe ich die hässlichen Flyer weggeworfen. Zu sehr erinnern sie mich an den Geschichtsunterricht in der Schule. Gestern habe ich etwas gezögert als ich ein unpersönliches Schreiben von REP erhielt. Neben den typischen rechtskonservativen Parolen findet man im Text einige stellen, wo sich die Jungs über den Islam aufregen und vor allem die neulich in Mainz Hartenberg-Münchfeld errichtete muslimische Schule. Das Wort “Ausländer” verwenden sie im Text als Synonym für “Muslim” und umgekehrt.

Ich interessiere mich weder für Islam noch für irgendwelchen rechtskonservativen Bullshit. Was mich allerdings richtig aufregt, sind Leute, die ihre Zeit verschlafen haben und dann versuchen, anderen ihre zweifelhaften Regeln aufzuzwingen. Das Witzige ist, dass die Partei in 2007 genau 1.394.576,23€ vom Staat kassierte. Wozu eigentlich? Damit ihr Werbematerial im Müll landet?!
Bäh.
Demotivation, Faulheit und Interesse
Gespräch. Mir gegenüber sitzt ein schlecht gekleideter Herr, vermutlich Mitte 40. Der erste Eindruck: Der Mann hat seine Midlife Krise schon mit 25 erreicht. Er erzählt gelangweilt von den Schwierigkeiten und Problemen bei seinem Job und verzichtet dabei auf die Erklärung, welche Tätigkeit er eigentlich ausübt. Versuche ihm einzureden, dass man jede Schwierigkeit im Leben als eine Herausforderung und jedes Problem als eine Frage sehen soll. Denn auf jede Frage gibt es eine Antwort, die muss man nur noch finden – so meine Logik. Der Mann lässt sich nicht unterbrechen und verlangsamt seine Redeweise weiterhin ins Unermessliche, während ich mich mit allen Kräften dagegen wehre, endlich zu gähnen. Spekuliere, ob dieser hässliche Typ nun faul oder demotiviert ist.
Vince Ebert, ein ziemlich bekannter deutscher Kabarettist, meint, dass die Frage “wie kann ich mich motivieren?” eigentlich “was demotiviert mich?” lauten sollte. Die Demotivation an sich ist ja so ähnlich wie das Hungergefühl – sie kommt dann, wenn wir nichts zu Essen bekommen bzw. wir nichts Neues erfahren, ansonsten sind wir immer satt und zufrieden. Motivation ist also unser Normalzustand. Sie ist immer da und muss nicht künstlich hervorgerufen werden, wenn sie von Natur aus vorhanden ist. Wir sollten sie lediglich ab und zu füttern.
Die meisten Menschen grenzen sich mit der Zeit selbst ein. Sie werden bedrängt von irgendwelchen Komplexen oder halten sich an stupide Prinzipien und etablierte gesellschaftliche Regeln. Das alles beiseite zu legen, die Augen zu öffnen und endlich mal die Weltanschauung zu ändern schaffen sie nicht, weil ihre Faulheit die Schwerkraft bestärkt und sie am Sofa weiterkleben lässt. Das ist bequem und energieschonend.
Wer nicht faul sein möchte, der stellt sich Pläne auf. Und hält sich dran. Sich etwas vorzunehmen alleine reicht noch nicht. Man muss die Aufgaben abarbeiten wie eine Checkliste, das Interesse entwickelt sich dann von allein. Ich hab das ausprobiert.